Immer schön lächeln, bitte! Wie sehr sollten wir uns im Büro verstellen?

Jo.Sephine / photocase.com

“Sei so, wie du bist!” – “Lass dich nicht verbiegen!” Nichts ist wichtiger, als dass wir uns selbst so akzeptieren, wie wir sind. Denn wer sich verstellt, schadet sich selbst. Und was wäre das für eine Welt, in der wir nicht mehr sagen dürften, was wir denken? Gerade wir Kreativen Chaoten tragen das Herz häufig auf der Zunge – im schlimmeren Fall nehmen wir kein Blatt vor den Mund. Doch ist das auch immer ratsam?

Natürlich nicht, wir lernen schließlich ziemlich früh, dass wir besser daran tun, einen giftigen Kommentar herunterzuschlucken, als ihn unüberlegt unserem Chef entgegenzuschleudern. Aber wie steht es mit unserem Gemütszustand? Ist es okay, unseren Kollegen im Büro zu erzählen, dass die Kinder uns auf der Nase herumtanzen und wir uns den ganzen letzten Abend mit unserem Partner gestritten haben – kurz, dass es uns richtig schlecht geht? Antwort darauf liefert eine neue Studie des britischen Psychologen Oliver Robinson zusammen mit amerikanischen Kollegen.

Ja, es ist okay, wenn es sich dabei nicht um Kollegen handelt. Denn für unser seelisches Wohlbefinden ist es sogar essentiell, dass wir Freunden und Familie ehrlich sagen, wie es uns geht. Im Job sollten wir das jedoch tunlichst unterlassen, denn hier führt Ehrlichkeit ganz schnell zum Karriereknick. Passenderweise heißt die Studie auch “Be yourself – unless you’re at work”. Denn sind Sie im Beruf ehrlich und aufrichtig, so wird Ihnen das schnell als Führungsschwäche ausgelegt, selbst wenn es nur um Ihr aktuelles Wohlbefinden geht.

Ist das nun die Lösung? Jegliche persönlichen Regungen unterdrücken und ein heiteres Arbeits-Ich aufbauen – komme was wolle? Dieser Gedanke behagt mir nicht besonders. Möglich ist, dass in angelsächsischen Ländern viel mehr Wert auf gute Launge gelegt wird als bei uns in Deutschland. Man könnte sagen, hier ist das Jammern etablierter.

Fangen Sie also als Kreativer Chaot nicht an, sich zu verbiegen. Bleiben Sie sich treu, auch in der Arbeit. Schließlich verbringen wir dort den größten Teil unserer Zeit. Liegt Ihnen allerdings gerade eine Antwort auf der Zunge, bei der sie sich nicht sicher sind, wie sie Ihr Gegenüber aufnimmt, dann zählen sie erst ruhig bis 3. Formulieren Sie um. Versetzen Sie sich in den anderen: Wird er Sie von seinem Standpunkt aus verstehen? Wenn der andere Ihre Meinung nicht verstehen kann, macht wenig Sinn, sie ihm zu sagen.

Und wie steht es mit der Frage “Wie geht’s dir?” Sollten wir automatisch “Gut” antworten, egal ob es der Wahrheit entspricht? Überlegen Sie auch hier, wie viel Sie dem anderen zumuten können – und wollen – und natürlich, wie ernst diese Frage gemeint ist. Und denken Sie daran, dass eine optimistische Einstellung für alle angenehmer ist. Vor allem fühlen auch Sie sich besser, wenn Sie nur den Personen von Ihren Problemen erzählen, die auch ehrlich daran interessiert sind – und das sind meist Freunde und Familie.

Was ist Ihre Meinung dazu? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

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Ein Gedanke zu “Immer schön lächeln, bitte! Wie sehr sollten wir uns im Büro verstellen?

  1. Interessanter Artikel, vielen Dank dafür. Ich denke, man sollte in diesem Fall zwischen ehrlich und authentisch unterscheiden. Jeder kann dennoch er/sie selbst sein, auch wenn man den Kollegen nichts von den Problemen zu Hause erzählt. Man kann sagen, dass es einem heute nicht so gut geht, Details gehen niemanden etwas an.

    Das aber alles zu unterdrücken oder beim “Einstempeln” gegen ein gekünsteltes Lächeln einzutauschen, halte ich für den falschen Weg. Das schadet der Gesundheit und dem Wohlbefinden, so wie ich finde :-).

    Also: echt sein, ehrlich sein, aber nicht alles ausplaudern.

    Viele Grüße

    Gaby Feile

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