Sie vertrauen Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin einfach nicht. Obwohl sich die Arbeit bei Ihnen gerade türmt, fällt Ihnen immer wieder ein enorm wichtiger Grund ein, warum diese spezielle Aufgabe unbedingt nur von Ihnen erledigt werden kann. Weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es keiner besser macht als Sie? Oder, weil Sie bisher immer der Hauptverantwortliche waren und es noch nicht gelernt haben, wichtige Aufgaben an andere im Team abzugeben.
Trauen Sie sich. Denn “Verantwortung abgeben” bedeutet nicht nur eine Entlastung für Sie persönlich, sondern stärkt auch die Beziehung zwischen Ihnen und Ihren Kollegen. Und das wirkt sich langfristig auf die gute Zusammenarbeit und die Freude an der eigenen Arbeit aus. Hier ein paar Strategien, mit denen Delegieren leicht fällt:
- Machen Sie sich zunächst eine Liste bzw. eine Übersicht darüber, was in nächster Zeit alles ansteht. Dann überlegen Sie sich, welche Tätigkeiten sie abgeben können. In Manches sind sie vielleicht schon zu stark eingebunden, als dass es noch Sinn macht, einen Kollegen einzubinden.
- Springen Sie über Ihren eigenen Schatten. Der Kollege unterscheidet sich in der Herangehensweise? Ja, und? Fragen Sie sich lieber nach dessen Qualitäten und Arbeitspräferenzen. Welche Projekte sind unter seiner Obhut gut gelaufen? Wenn Ihnen spontan mehrere Bereiche einfallen, die Ihr Kollege mit Bravour meisterte, dann sollten Sie nicht länger zögern.
- Ihre Kollegen kennen es nicht von Ihnen, dass Sie Aufgaben an sie abgeben? Dann ist es für beide Seiten am besten, wenn Sie mit kleinen Schritten anfangen. Geben Sie zunächst das ab, wo Ihr Herzblut am wenigsten dran hängt. So können Sie sich im Abgeben üben – und Sie überrumpeln Ihre Kollegen nicht mit Ihrem neuen “Image”.
- Entwerfen Sie mit Ihrem Team einen gemeinsamen Einsatz- und Terminplan, bis wann Ihnen welche Ergebnisse vorliegen müssen. Und halten Sie dabei unbedingt fest, wem Sie was anvertraut haben. Hängen Sie den Plan an die Wand – plakativ, und sichtbar für alle.
- Das Einarbeiten Ihres Kollegen kann zunächst ein zeitlicher Mehraufwand sein. Weil Sie sich anfangs noch öfters mit ihm zusammensetzen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen, oder um offene Fragen zu klären. Sehen Sie diese Absprachen als eine langfristige Investition: Beim nächsten oder übernächsten Mal fragt Ihr Kollege weniger nach, weil ihm viele Dinge bereits geläufig sind.
- Frustrieren Sie Ihre künftigen “Helfer” nicht, indem Sie nur belanglose Jobs an sie weitergeben. Um herauszufinden, ob das gemeinsame Arbeiten funktioniert, können “Einstiegsaufgaben” sinnvoll sein. Der Kollege muss allerdings mit der Zeit das Gefühl haben, dass Sie ihm voll und ganz vertrauen. Nur so bleibt seine Motivation am Leben. Lassen Sie Ihn permanent Ihre Zweifel spüren, scheitert das gemeinsame Projekt – und anstelle von Teamgeist wächst nur der Frust.
Wagen Sie den Sprung ins kalte Wasser! Sie werden selbst viel mehr Zeit für das Wesentliche haben und obendrein mit motivierteren Kollegen zusammenarbeiten.
Haben Sie selbst Delegier-Erfahrung? Bei welchen Aufgaben klappt es gut, wo weniger? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.


