Raus aus der Perfektionismusfalle

29. Januar 2015
Perfektionismus ist langweilig

Perfektion mache verwechselbar und verhindere Charme, sagte Catherine Deneuve in einem Interview.

Kennen Sie das Gefühl? Sie sitzen schon seit Ewigkeiten an einem Projekt und werden einfach nicht fertig. Aber richtig vorwärts kommen Sie auch nicht, denn eigentlich ist es ja schon gut genug. Aber hier passt noch was nicht so ganz und dort geht’s noch besser… Sie sitzen in der Perfektionismusfalle!

Perfektion ist eine schöne Sache. Wir haben unser Bestes gegeben und meistens sieht der andere das auch. Leider zahlen wir auch einen verdammt hohen Preis dafür: sie kostet Zeit. Nach dem Pareto-Prinzip braucht es viermal so lange, eine gute Sache perfekt zu machen als es dauert, sie gut hinzubekommen. Trotzdem ist Perfektionismus nichts Schlechtes. Manchmal muss es perfekt sein, weil es sonst nicht funktioniert, oder es hängt so viel an diesem Projekt, dass alles andere zu riskant wäre. Aber wir Kreative Chaoten sind viel zu oft davon überzeugt, dass etwas perfekt sein muss. Weil wir mit Leib und Seele dabei sind und uns die Arbeit so Spaß macht. Oder weil wir andere auf keinen Fall enttäuschen wollen. Und schon ist es passiert: wir werden nicht fertig, es läuft uns die Zeit davon, wir sind gestresst und unzufrieden mit uns selbst.
Häufig fangen wir auch gar nicht mit etwas an, aus Angst, es könnte nicht perfekt werden. Aber wer alles kann, der kann auch nichts richtig 😉

Damit das nicht passiert, ist es wichtig, Aufgaben gut einzuschätzen und die „Perfektionssymptome“ zu erkennen. Mit diesen Tipps wird Ihnen das ganz leicht gelingen:

  • Das „Gut-statt-perfekt“-Prinzip: Überlegen Sie sich bevor Sie anfangen, wer Ihre Mühe zu schätzen weiß. Verlangt der Chef wirklich so eine genaue Analyse, oder ist er mit etwas weniger auch zufrieden? Häufig sind die Ansprüche, die wir an uns selbst haben, höher als die unserer Mitmenschen an uns.
  • Setzen Sie sich Zeitlimits und Fristen. Denn je mehr Zeit Sie sich geben, desto länger brauchen Sie auch. Halten Sie Ihr Zeitlimit schriftlich fest, dann kommen Sie nicht mehr so leicht aus.
  • Bei welchen Aufgaben wollen Sie perfekt sein? Finden Sie heraus, wo der Perfektionismus bei Ihnen zuschlägt. Liegt es daran, dass Ihnen die Arbeit einfach so viel Spaß bringt? Oder sind Sie nicht gerade ein Spezialist in dem Gebiet, wollen aber andere beeindrucken?
  • Benutzen Sie Turbo-Beschleuniger: Verbessern Sie immer wieder kleine alltägliche Handgriffe, sei es ein Haken für den Schlüssel, um ihn nicht immer suchen zu müssen, oder eine Urlaubskiste, in der immer die wichtigsten Urlaubsutensilien aufbewahrt werden: eine Kiste für’s Schwimmzeug, eine für die Küche (Salz, Pfeffer, Zucker, Servietten, Spülmittel…).
  • Schrauben Sie Ihre eigenen Ansprüche herunter. Muss es wirklich so genau und so gründlich sein? Auch 10 % Verbesserung sind schon eine Verbesserung. Das vergessen wir oft. Machen Sie sich bewusst, was Sie alles erreicht haben und seien Sie zufrieden mit sich selbst.
  • Scheuen Sie sich nicht vor Fehlern. Oftmals wollen wir perfekte Arbeit abliefern, damit die Wahrscheinlichkeit für Fehler möglichst gering ist. Aber schließlich lernen wir aus Fehlern immer noch am meisten. Je mehr wir davon machen, desto besser 🙂

Gönnen Sie sich ruhig hin und wieder ein bisschen Perfektionismus (vielleicht bei der Wohnzimmer-Renovierung?), aber verschenken Sie keine Zeit an ihn, die Sie woanders besser gebrauchen könnten.

Viel Erfolg!

Wie geht es Ihnen mit Nicht-Perfektionieren? Schreiben Sie mir, ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen!

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2 Kommentare auf "Raus aus der Perfektionismusfalle"

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Oh jaaaa – der Perfektionist macht mir echt immer das Leben schwer. Und das „Gut ist gut genug“ ist meine derzeitige Trainingseinheit 🙂

Das trifft mein „persönliches Dauerprojekt“ im Kern!
Spendiere ich doch gern mal mehr Zeit um die Qualität perfekt zu machen!

Mein Chef hält nicht viel von Perfektionismus… wenn man dafür auch 4mal länger braucht, hat er wohl recht! 😉